Leistungsfähigkeit


Durch die kleinen Abweichungen in der Sicht, die Betroffene immer sehen - egal wie gut der Ausgleich durch Sehhilfen ist, ist das normale Sehen anstrengend. Dabei ist nicht nur das Sehen bei der Arbeit, z.B. am Bildschirm anstrengend, sondern alles Sehen - Auto fahren, in der Straßenbahn sitzen und aus dem Fenster sehen oder lesen, Fernsehen, Tablet oder Smartphone bedienen, .... etc., etc.

Da sich der Keratokonus ganz langsam entwickelt, hat jeder Betroffene viele Monate und Jahre Zeit um so ganz nebenbei eine höhere Leistungsfähigkeit zum Verarbeiten von Abweichungen in der Sicht zu entwickeln. Je größer die Abweichungen im Verlauf der Entwicklung des Keratokonus werden, desto mehr Energie muss ein Betroffener täglich dafür aufwenden die Sichtfehler heraus zu rechnen.

Irgendwann wird mehr Energie gebraucht, als dauerhaft täglich zur Verfügung steht - Sehfehler + Arbeit + Freizeit = Minus Energie. Eine Weile kann man die Überbelastung kompensieren aber irgendwann kommt der Zeitpunkt der an dem eine aktive Entscheidung getroffen werden muss. Entweder man mach so weiter, immer über die Belastungsgrenze zu gehen oder man schaltet einen Gang zurück, bzw. findet eine andere, dauerhafte Lösung.


Vergleich

Mit was soll man diese Situation vergleichen? Die erhöhte Anstrengung, die Betroffene mit den Abweichungen in der Sicht "verbrauchen", ist nicht messbar, nicht in Zahlen auszudrücken.

Wenn ich die Situation mit dem Autofahren vergleiche, dann kommt mir das folgende Beispiel mit einem täglichen, 14-16 Stunden dauernden Autorennen in den Sinn:

Man fährt immer mit dem gleichen Wagen, den gleichen Reifen immer die gleichen Kurven, in der gleichen Geschwindigkeit.

Irgendwann gehen die Scheibenwischer kaputt, es fängt an zu regnen, die Scheiben werden schmutzig, ich sehe weniger, die Reifen fahren sich mit der Zeit ab, der Tank wird leer.

Da ich weniger durch die schmutzigen Scheiben sehe, muss ich mehr aufpassen damit ich nichts übersehe - das ist anstrengend. Da die Reifen mehr und mehr abgefahren sind, muss ich langsamer durch die Kurven fahren, da ich sonst vielleicht im Graben lande. Außerdem muss ich mich irgendwann entschieden, ob ich tanken will.

Klar, der Vergleich ist nicht besonders gut, reicht aber vielleicht um zu veranschaulichen, das den Betroffenen Energie nicht unbegrenzt zur Verfügung steht.

Da schon das normale Sehen für Betroffene viel Energie braucht, muss jeder einen Teil seiner täglichen Energie dafür reservieren. Dieser Anteil von der gesamt pro Tag zur Verfügung stehenden Energie steht nicht für die Arbeit oder für die Freizeit zur Verfügung. So ist es nicht möglich das gleiche Niveau bei Aktivitäten durchzuhalten, wie Gesunde das können.

Um auf das Beispiel mit dem Auto zurück zu kommen:

In einem direkten Wettbewerb kann ich nicht mithalten, mit anderen Teilnehmern, deren Autos jeden Tag repariert werden, neue Reifen bekommen und vollgetankt werden. Es gibt keine Möglichkeit gegen die anderen zu gewinnen.

Also muss man sich etwas einfallen lassen. Es gibt mehrere Möglichkeiten:

  • ich gebe das Rennfahren auf und verkaufe demnächst Benzin
  • ich übernehme die Reparaturbetriebe
  • ich werde Betreiber einer Rennbahn
  • .......

Dann kann ich nur gewinnen, trotz Keratokonus.....


Entspannungstechniken

Es ist für Betroffene wichtig, sehr aufmerksam mit der eigenen Leistungsfähigkeit umzugehen.

Das ständige Überlasten kann mit den verschiedensten Symptomen einhergehen: Kopfschmerzen, Müdigkeit, Konzentrationsstörungen, Sachen fallen lassen, Schwindelgefühle, Verspannungen in Nacken und Rücken, usw. usw.

Akute Probleme können mit autogenem Training, Joga, Tai Chi, oder ähnlichen Entspannungstechniken bearbeitet werden.

Langfristig ist das leider keine Lösung. Langfristig hilft nur, gar nicht erst in die Überlastung zu kommen. Es ist wichtig, für den Rest des Lebens darauf zu achten sich nicht ständig zu überanstrengen.